Jazz is a state of mind. Not being afraid to get lost, find your way back. Stepping out on nothing, hoping to land on something.
— Robert Glasper
 
 

Sankt Augustin bei Bonn ist ein beschaulicher Vorort, in dem Reihenhaussiedlungen und Sechzigerjahrebetonklötze das Stadtbild dominieren. Der ehemals übergeschwappte Hauptstadtcharme bröckelt schon lange und New York ist weit entfernt. Hier setzt sich der 1993 geborene Jan Alexander zum ersten Mal ans Piano.

Mit sieben Jahren beginnt sein musikalischer Werdegang hier mit Klavierunterricht, später eignet er sich Querflöte und Schlagzeug an, singt in Chören. Schon zu Schulzeiten spielt Jan in verschiedenen Bands, Big Bands und Orchestern – auch eigene Kompositionen und Arrangements. Zwischen Mehrzweckhallen und verrauchten Kneipen sammelt der Pianist erste Erfahrungen mit Auftritten und Live-Performances. Der Entschluss, vom Jazz leben zu wollen, ist schon damals gefasst. Dass das nicht leicht werden wird, braucht man ihm nicht zu sagen.

Deshalb gibt er nach seinem Abitur Klavierunterricht und besucht ein Jahr lang die Offene Jazz Haus Schule in Köln, um sich für den Aufnahmeprüfungsmarathon vorzubereiten – mit Erfolg: Er wird am Conservatorium van Amsterdam angenommen und studiert dort ein intensives Jahr lang Jazzklavier.

Die niederländische Hauptstadt bietet Jan ein stimulierendes Umfeld. Renommierte Konzerte, eine lebhafte junge Jazzszene und fast jeden Tag stattfindende Jamsessions helfen ihm nicht nur, seinen musikalischen Horizont zu erweitern. Sie motivieren ihn auch, sein Spiel immer weiter zu perfektionieren – manchmal bis an seine körperlichen Grenzen.

Das riesige Übungspensum und der stetige Konkurrenzdruck gehen nicht spurlos an dem Mann mit dem Vor- und Vornamen vorbei. Auch deshalb bewirbt er sich dann 2015 an der Folkwang Universität der Künste für die Studiengänge Jazzkomposition und -Arrangement und Jazzklavier. Als einer von knapp 60 Schülern der Folkwang Jazzabteilung studiert er nun bei Thomas Rückert Jazzklavier im Hauptfach. Er spielt in und komponiert für verschiedene Bands und Ensembles. Seit 2017 gibt es auch sein eigenes Jan Alexander Trio sowohl live als auch aufgenommen zu hören. Jazz ist plötzlich zum Greifen nah. Und auch wenn Essen nicht die letzte Station auf dem Weg zum jazzigen (Über-)leben gewesen sein wird, hat Jan in der Ruhrmetropole jetzt schon unheimlich viel gelernt.

 

Text: Niklas Fucks